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PsychologInnen-Top-Jobs:

Eine Psychologin und ihre Gefangenen

Die 30-jährige Ana Zumbino ist wohl die einzige Psychologin an der Spitze eines Schweizer Gefängnisses. Seit Juli 2001 leitet sie die Frauenhaftanstalt von Riant-Parc in Genf. Im Alltag verbindet sie die Durchsetzung ihrer Autorität mit Zuhören und Unterstützung.

Riant-Parc ist ein altes Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert und liegt verborgen hinter vielen Bäumen in einem Park. Von weitem lässt nichts auf seine heutige Nutzung schliessen, kein Stacheldraht, kein Zaun um den Park. Und das alte Tor ist eher eine «psychologische Barriere», meint die Direktorin Ana Zumbino.Wenn man sich dem Haus nähert, sieht man dann aber doch Gitter vor den Fenstern. Und auch etwas wie eine Voliere im ersten Stock: die Terrasse, wo sich die minderjährigen Gefangenen aufhalten können, ist vollständig von einer metallenen Abschrankung umgeben. Das Gefängnis von Riant-Parc kann sechs Gefangene aufnehmen, die unter 18 Jahre alt sind. Sie leben in dieser geschlossenen Anstalt neben rund zehn Erwachsenen, die im Genuss von Hafterleichterungen wie Halbfreiheit oder Halbgefangenschaft sind.

Kein Gefängnis zum Ausbrechen

Die Lebensbedingungen dieser zwei Gruppen unterscheiden sich auf Grund der Haftbedingungen, aber auch, weil das Strafgesetz den Kontakt zwischen erwachsenen und minderjährigen Häftlingen verbietet, ziemlich stark. Die Jugendlichen dürfen nicht weiter hinaus als auf die vergitterte Terrasse, und sie erhalten ihre Mahlzeiten in der Zelle. Die Erwachsenen dagegen essen im Esssaal zusammen mit dem Personal; sie können sich in Anwesenheit einer Bewacherin überall im Haus aufhalten, ebenso im Park, beispielsweise für Gartenarbeiten.

In Riant-Parc hat das Ausbrechen nicht den gleichen Sinn wie in einem gewöhnlichen Gefängnis, wie die FSP-Psychologin ausführt: «Hier halten sich Häftlinge auf, die schon fast am Ende ihrer Gefangenschaft stehen. Bei ihnen geht es um die berufliche Wiedereingliederung, Alle erwachsenen Gefangenen können ausgehen, entweder um in der Stadt zu arbeiten oder in der Freizeit. Schlimmstenfalls können sie beschliessen, nicht mehr zurückzukehren. Aber wenige gehen dieses Risiko ein, denn das würde ihre bedingte Freilassung gefährden.»

Sinnvolle Strafen finden

Rückkehrzeit ist Kontrollzeit. Die Bewacherinnen durchsuchen die Handtaschen, kontrollieren, was ausgegeben wurde und stellen sicher, dass die Gefangenen keinen Alkohol und keine Drogen konsumiert haben.

Bei einem Verstoss verhängt die Direktorin Strafen; im Allgemeinen werden die Ausgänge eingeschränkt. Aber Ana Zumbino versteht ihre Funktion als Direktorin von Riant-Parc nicht ausschliesslich repressiv: «Die Strafe an sich ist nicht viel wert. Ich versuche, den Gefangenen im Gespräch deren Sinn klar zu machen. Ich versuche zu verstehen, wo das Problem liegt. Ohne diesen Dialog könnte ich meine Funktion unmöglich ausüben.»

Zwei unvereinbare Rollen

Ihre psychologische Ausbildung hilft Ana Zumbino auch bei der Konfliktbewältigung, bei der Unterstützung jener Häftlinge, welche durch Krisen oder Phasen der Unsicherheit gehen. Das sind aber punktuelle Interventionen, die nichts mit einer therapeutischen Betreuung zu tun haben, präzisiert Ana Zumbino. «Die Rolle der Autoritätsperson ist unvereinbar mit jener einer empathischen Psychotherapeutin, der man alles anvertrauen kann. Deshalb kommt einmal pro Woche eine Psychotherapeutin zu Konsultationen nach Riant-Parc.

Im psychosozialen Bereich dagegen bieten die Direktorin und ihre Stellvertreterin den Gefangenen permanente Unterstützung: sie helfen ihnen bei der Arbeitssuche, der Anpassung ihrer sozialen Kompetenzen im Hinblick auf ihre Freiheit, der Beilegung von familiären und anderen Konflikten. «Durch den Einbezug dieser Aspekte können wir die Person und ihre Probleme besser verstehen», fährt Ana Zumbino aus.

Als Jüngste an der Spitze

Als sie ihre Arbeit in Riant-Parc aufnahm, zuerst als stellvertretende Direktorin, war die Psychologin 28 Jahre alt. Sie war zwar etwas besorgt, weil sie ein Team leiten sollte, in dem die Mitarbeiterinnen älter waren als sie. Aber das ging sehr gut, denn die junge Psychologin trat nicht so auf, als ob sie alles wüsste. «Einige Bewacherinnen arbeiten seit 25 Jahren hier. Ich sagte mir, dass ich viel von ihnen lernen könnte», erinnert sich die Direktorin. Dass die Atmosphäre eher freundlich ist, zeigt sich darin, dass die Gefangenen sie «Ana» oder «Madame Ana» nennen. Ihre Autorität wird damit aber nicht in Frage gestellt: «Unsere Beziehungen bauen auf Vertrauen auf. Aber gleichzeitig wissen die Gefangenen, wer das Sagen hat. Ich bin mir bewusst, dass ich weder ihre Freundin noch ihre Vertraute bin.» Wichtig ist für Ana Zumbino, dass sie nie ungerecht ist und die Dinge klar ausdrückt. Ihr Rezept: Eine Mischung aus Vernunft, Reflexion und Zuhören, die sie zu einem grossen Teil ihrer Ausbildung zuschreibt.

Von Portugal nach Genf

Ana Zumbino stammt aus einer portugiesischen Immigrantenfamilie. Sie war 14 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern nach Genf kam. Im Gymnasium wählte sie die moderne Abteilung mit Schwerpunkt Sprachen und schrieb sich nach der Matur an der psychologischen Fakultät der Universität Genf ein. Während des Studiums lernte Ana Zumbino in einem sechsmonatigen freiwilligen Praktikum in Riant-Parc das Gefängnisleben kennen. «Dieser Bereich hat mich immer angesprochen, vielleicht wegen seiner verborgenen Seite oder weil hier eher ausgegrenzte Menschen leben», sagt die heutige Direktorin. Nach dem Studium machte Ana Zumbino ein einjähriges Praktikum in einem Tagesspital für schizophrene PatientInnen.

Einige Zeit später bot man ihr den Posten einer stellvertretenden Direktorin in Riant-Parc an, mit der Aussicht, später zur Direktorin aufzusteigen. «Die psychologische Ausbildung war keine Bedingung für die Anstellung. Aber die Strafbehörden fanden, dass jemand mit einer sozial- oder humanwissenschaftlichen Ausbildung besser fähig sei, eine solche Einrichtung zu leiten», führt Ana Zumbino aus.

In ihrer heutigen Funktion muss sie zwar viel administrative Arbeit erledigen. Das stört sie aber nicht, im Gegenteil. Budget, Anschaffungen, Berichte, Dossierverwaltung - diese Aufgaben braucht sie. «Sie verhelfen mir zu den nötigen Atempausen.» Auf keinen Fall möchte sie sich auf eine rein klinische Arbeit beschränken, die dauernde intellektuelle Konzentration erfordert.

Ana Zumbino ist ausgefüllt von ihrem Beruf und ist ausserdem Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtspsychologie. Es ist ihr wichtig, darauf hinzuweisen, dass Psychotherapie lange nicht die einzige Möglichkeit ist für junge Psychologlnnen, um einen Beruf auszuüben. Schliesslich gebe es auch viele andere Bereiche, namentlich jenen der Justiz.

Jane-Lise Schneeberger

 

 

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Top-jobs pour les psychologues:

Une psychologue parmi ses détenues

Agée de 30 ans, Ana Zumbino est probablement la seule psychologue à la tête d‘une prison suisse. Depuis juillet 2001, elle dirige la maison d‘arrêt pour femmes de Riant-Parc, à Genève, conjuguant au quotidien l‘exercice de l‘autorité pénitentiaire avec une approche faite d‘écoute et de soutien.

Cachée au fond d'un vaste parc très arborisé, Riant-Parc est une maison du 19e siècle. De loin, rien ne laisse supposer son affectation actuelle. Ni barbelés, ni clôture autour du parc. Le vieux portail d'entrée est plutôt «une barrière psychologique», plaisante Ana Zumbino, la directrice. Mais en avançant vers le bâtiment, on distingue tout de même les barraux aux fenêtres. Et aussi cett espèce de grande volière au 1er étage: la terrasse, lieu de promenade pour les détenues mineures, est complètement bouclée par une armature métallique. La prison de Riant-Parc peut en effet acceuillir six délinquantes de moins de 18 ans, détenues en milieu fermé, aux côtes d'une dizaine d'adultes qui bénéficient de régimes plus souples, tels que la semi-liberté ou la semi-détention.

Une prison dont on ne s'évade pas

Les conditions de vie de ces deux groupes varient considérablement, en raison de leurs différents régimes carcéeraux, mais aussi parce que le code pénal interdit tout contact entre détenues adultes et mineures. Les jeunes ne sont autorisées à sortir que sur la terrasse grillagée et on leur apporte des plateaux-repas dans leur celule. Les détenues adultes, elles, prennent leur repas dans la salle à manger, avec le personnel de l'établissement, elles circulent librement dans la maison et peuvent profiter du parc, pour y faire du jardinage par exemple, en présence d'une surveillante.

A Riant-Parc, l'évasion n'a pas le même sens que dans une prison ordinaire, explique la psychologue FSP: «C'est une maison de fin de paine, dont le but est de favoriser la réinsertion professionelle. Toutes les détenues adultes ont l'occasion de sortier, que ce soit pour aller travailler en ville ou pour des congés. Au pire, elles peuvent décider de ne pas rentrer. Mais peu d'entre elles prennent ce risque, car cela compromettrait leur libération conditionelle.»

Donner un sens à la sanction

Le retour à la prison est l’heure des contrôles. Les surveillantes fouillent les sacs à main, vérifient les dépenses effectuées à l’extérieur et s’assurent que les détenues n'aient pas consommé d’alcool ou de drogue. En cas d’infraction, la directrice prend des sanctions, qui consistent généralement en une réduction des heures de congé. Mais Ana Zumbino, titulaire depuis quelques mois d’un diplôme de spécialisation (DES) en psychologie clinique, ne conçoit pas sa fonction comme purement répressive: «La sanction à elle seule ne sert pas à grand-chose. J’essaie de lui donner un sens en parlant avec les détenues. Je cherche à comprendre ce qui ne va pas. Il me serait impossible d’imaginer ma fonction sans ce dialogue.»

Rôles incompatibles

Sa formation de psychologue lui est aussi utile lorsqu’il s’agit de gérer des conflits, de soutenir les détenues qui traversent des moments de crise ou de désarroi. Mais il s’agit d’interventions ponctuelles, qui n’ont rien à voir avec un suivi thérapeutique, précise Mme Zumbino. «Le rôle de représentante de l’autorité est incompatible avec celui de psychothérapeute empathique, à qui l’on peut tout confier.» C’est pourquoi une psychothérapeute vient une fois par semaine à Riant-Parc pour des consultations.

Dans le domaine psychosocial en revanche, la directrice et son adjointe offrent un appui permanent aux détenues: elles les aident à trouver du travail, à réaménager leurs compétences sociales en vue de leur libération, à régler des conflits d’ordre familial ou autre. «Le fait d’avoir à gérer tous ces aspects nous donne une vision plus complète de la personne et de ses problèmes », assure Ana Zumbino.

Benjamine aux commandes

Quand elle est entrée à Riant-Parc, d’abord au poste de directrice adjointe, Ana Zumbino était âgée de 28 ans. Elle apptéhendait quelque peu de diriger une équipe composée de collaboratrices plus âgées qu’elle. Mais les choses se sont très bien passées, car la jeune diplômée n’est pas arrivée en croyant tout savoir. «Certaines surveillantes travaillent ici depuis 25 ans; je me suis dit qu’elles avaient beaucoup de choses à m’apprendre», se souvient-elle. Signe que l’atmosphère est plutôt conviviale à Riant-Parc, les détenues l’appellent « Ana» ou «Madame Ana». Sans pour autant remettre en question son autorité: «Nos relations reposent sur un contrat de confiance. Mais, en même temps, les détenues savent qui est le chef. Et pour ma part, je suis consciente de n’être ni leur amie, ni leur confidente.» Ce qui importe, dit-elle, c’est de ne jamais commettre d’injustice et de dire les choses clairement. Sa recette? Un mélange de bon sens, de réflexion et d’écoute, qu’elle attribue en bonne partie à son éducation.

Du Portugal à Genève

Fille d’immigrants portugais, Ana Zumbino est arrivée à Genève avec sa famille à l’âge de 14 ans. Au collège, elle opte pour la section moderne, qui met l’accent sur l’apprentissage des langues. Après avoir obtenu sa maturité, elle s’inscrit à la Faculté de psychologie de l’Université de Genève. Durant ses études, un stage bénévole de six mois à Riant-Parc lui permet de découvrir le milieu carcéral. «C’est un domaine qui m’a toujours interpellée, par son côté caché peutêtre, ou parce qu’il abrite des personnes un peu marginales.» Ses études terminées, Ana Zumbino effectue un stage pratique d’un an dans un hôpital de jour pour patients schizophrènes.

Quelque temps plus tard, on lui propose le poste de directrice adjointe de Riant-Parc, avec la perspective de reprendre par la suite la direction. «La formation on psychologie n’était pas une condition d’engagement. Mais les autorités pénitentiaires estimaient qu’une personne issue des sciences sociales ou humaines serait plus compétente pour diriger ce type d’établissement», précise Mme Zumbino. Dans sa fonction actuelle, les tâches administratives occupent toutefois une place importante, mais cela ne la dérange pas. Au contraire. Budget, acquisitions, rapports et gestion des dossiers représentent l’action dont elle a besoin. «Une bulle d’air indispensable.» Elle ne voudrait à aucun prix être cantonnée dans une activité purement clinique, qui exige une concentration intellectuelle permanente.

Comblée par son choix professionnel, Ana Zumbino, membre du comité de la Société suisse de psychologie légale, tient à souligner que la psychothérapie est loin d’être la seule filière ouverte aux jeunes licenciés en psychologie. Ceux-ci peuvent aussi trouver des débouchés dans bien d’autres secteurs, et notamment celui de la justice.

Jane-Lise Schneeberger